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Burkina Faso - Pressespiegel
hier eine Zusammenstellung aus mehreren Ausgaben des Pressespiegels
 
" Was   sich    so   tut   im   Lande..."

Informationen aus aktuellen Zeitungen und Zeitschriften aus Burkina Faso.,
gelesen und bearbeitet von DIETER BÖCKMANN, Steinenbronn,
Kirchengemeinderat und Mitglied der Projektgruppe Partnerschaft mit B.F.

Vorwort

Die Besuchergruppe, die im Januar / Februar . . . nach B.F. gereist war, brachte wieder einen Stapel Zeitungen mit. - Auch aus JEUNE AFRIQUE konnte ich wieder einiges entnehmen. Heben Sie bitte die Hefte "Pressespiegel" gut auf, denn ich beziehe mich oft auf frühere Ausgaben. - Die B.F.-Zeitungen verwahre ich immer ein paar Wochen. Wer also einmal selbst darin lesen möchte . . .

Themen
15 neue Provinzen - Verwaltung näher an die Bevölkerung
Probleme des Schulwesens.
Ein Bürgermeister zieht Bilanz
Privatisierung - und ihre Schattenseiten.
Der neue Kultur-Tempel in Ouagadougou.
Agro-business - was ist das ?
Vom Weber zum Millionär
Kleinere Neuigkeiten des Tages
Weitere Ausgaben des Pressespiegels


15 Neue Provinzen - Verwaltung näher an die Bevölkerung.

In B.F. wurden 15 neue Provinzen eingerichtet. Im Zuge der Dezentralisierung (bereits mehrfach in den Pressesp. erwähnt) sollen die Verwaltungen näher zum Bürger kommen, z.B. auch in den Gebieten, in denen die Entfernungen bisher zu groß waren, sodaß sie in der Regenzeit von der Provinzverwaltung garnicht erreicht werden konnten. Die Gegenstimmen sagen, daß schon nicht genug Geld da sei, um die bestehenden Provinzverwaltungen effizient zu führen, und daß dies bei der Zerstückelung nur schlechter werden könne. Die "Pro's" argumentieren, daß neue Energien für Initiativen frei werden, weniger in den Städten als vor allem bei der Landbevölkerung, weil man jetzt näher an "seiner" Provinzregierung ist, daß die Ethnie-Grenzen besser berücksichtigt werden können, daß in der Bevölkerung das Gefühl gestärkt wird, zu einer Nation zu gehören, daß die neuen Provinz-Haupt-Orte zu Städten aufgewertet und damit zu neuen Polen der Entwicklung werden. Trotz des allgemeinen Geldmangels meint die Regierung, die notwendigen finanziellen Mittel aufbringen zu können. Zum Erstaunen der Öffentlichkeit war bei der Debatte um die Schaffung der 15 neuen Provinzen im "Bundestag" von B.F. niemand gegen das Gesetz. Wohl aber kämpften die Abgeordneten hartnäckig um Veränderungen der neuen Grenzziehungen "ihrer" Provinzen. Schließlich wurde das Gesetz mit großer Mehrheit angenommen.

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Probleme des Schulwesens.

In der Assemblée nationale (= Bundestag, siehe mehrere Pressesp.) sollte der Erziehungsminister auf die Vorwürfe antworten, dass in den weiterführenden Schulen permanenter Lehrermangel herrsche, dass es zu wenig Klassenräume gebe, dass die Klassen-Schülerzahlen zu hoch seien, dass die Prozentsätze von nicht bestandenen Examen und von Sitzenbleibern zu hoch und andererseits die von Übergängen von der Grundschule zu weiterbildenden Schulen zu niedrig seien. Die Antworten des Ministers, dass trotz zusätzlicher Lehrer-Einstellungen in einem Mehrjahresplan die Fehlzahl von über 1000 Lehrern nur teilweise reduziert werden könne, dass man Schülern und Lehrern mehr Schulbücher zur Verfügung stellen wolle und durch geeignete Maßnahmen die Situation bei Examen und Schuljahres-Wiederholungen deutlch verbessern werde, befriedigte die Abgeordneten nicht. Man schlug u.a. vor, Lehrkäfte aus Nachbarländern einzustellen. (In diesem Zusammenhang erscheinen die Motive eines zweitägigen Streiks der Lehrer bedeutend) : Nachteile durch die Verwaltungsreform (s. Pressesp. N°16) und den 10-Jahresplan für das Schulwesen, spürbare Verschlechterung des Lebensstandards der Lehrer, Verringerung der Wohnkostenzuschüsse und der Fahrtkostenzuschüsse bei Teilnahme an Prüfungen, zu große Klassen, Fehlen eines Laufbahn-Plans für Lehrkräfte, usw.

Die unbefriediegenden Schulverhältnisse führen auch immer wieder zu öffentlichen Protest-Aktionen der Schüler in den größeren Städten.

Die Lehrkräfte der Grundschulen haben noch andere Sorgen. Sie befürchten, dass sie im Zuge der Dezentralisierung (s. Pressesp. N° 4 und N° 15) nicht mehr vom Staat, sondern von den Gemeinden oder den Regional-Verwaltungen bezahlt werden, und dass sich durch dieses "Abschieben" ihre Situation deutlich verschlechtern würde.
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Ein Bürgermeister zieht Bilanz

Zum Jahreswechsel gab es viele Rückblicke auf die Vergangenheit. Hiervon zitiere ich nur den Bürgermeister einer mittleren Stadt (Dédougou), dessen 5-Jahres-Mandat zudem abläuft. - Zur "Politik" : Im Gemeinderat sind Regierungs-und Oppositionsparteien vertreten, aber damit gab es keine Probleme, wenn es um das Wohl der Gemeinde ging. "Wir haben", sagt er, "für das Gemeinde-Gymnasium neue Klassen-Räume gebaut und ausgestattet; zum Bau einer Kirche finanziell beigetragen; den Marktplatz ausgebaut; neue Straßen für 11 Mio FCFA befestigt; neue Grundstücke für den Wohnungsbau parzelliert; zum Bau eines städt. Schlachthofes den Grundstein gelegt (der Busbahnhof ist noch Baustelle); das gemeindliche Krankenhaus bei der Medikamenten-Beschaffung unterstützt. Im Sport gab es Bürgermeister-Preise bei Fußball, Radfahren und Volleyball." - Soweit könnte auch der Bürgermeister einer deutschen Kleinstadt berichtet haben. Hinzu kommt : aus dem Gemeinde-Entwicklungs-Fonds (vom Dezentralisierungs-Programm) konnten wir das Rathaus ausbauen und unser Personal an Fortbildungen teilnehmen lassen. Dank der Zusammenarbeit mit einer deutschen Gemeinde konnten wir eine "Schule der Freundschaft" bauen. Wir hoffen auf Partnerschaften mit Montignac und Douai (Frankreich), und mit Gorivia (Italien). Und unsere Steuerzahler sollten mehr Bürgersinn zeigen. Da drückt uns der Schuh. - Ob ich wiedergewählt werde ? Das entscheiden die Bürger und die Parteien. - Ähnliches berichtet der Bürgermeister von Ouahigouya (nördlich von Ouagadougou), der des Lobes voll ist über die Dezentralisierung. Vor allem habe man, zur Müll-Beseitigung, Rinnsteine an den Straßen und Abfall-Behälter gebaut.
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Privatisierung - und ihre Schattenseiten.

(s. Pressesp. N°1, "Umwälzungen" und N°18). Bevor Anfang der 90er Jahre der "Struktur-Anpassungs-Plan" gestartet wurde, hatten Industrie und Handel (alles staatlich), ständig riesige Verluste eingefahren. Die Wirtschaft hing am (öffentlichen) Tropf. Die Privatisierung sollte dem abhelfen. Und jetzt ? Nicht nur Opposition und Gewerkschaften sagen es, sondern auch Leitartikel angesehener Zeitungen : hier ist ein Korruptions-Filz entstanden zwischen Politik (und Politikern) und Wirtschaft (Mein Vokabular wurde "bereichert" um das Wort collusion = abgekartetes Spiel / heiml. Verabredung). Oft kauften Politiker die Unternehmen durch Strohmänner und bereicherten sich dabei. Jetzt genießen die Unternehmen unbegründete Steuer-und Zoll-Befreiungen und durch Manipulation von Gesetzen Monopol-Situationen zur Ausschaltung der Konkurrenz. Dies wiederum ermöglicht überhöhte Preise, zum Schaden der Kaufkraft der Allgemeinheit. Zudem wurden durch Restrukturierung massenhaft Arbeitskräfte freigesetzt. Das erhöhte die Arbeitslosigkeit. Dies alles schadet dem Ziel, die Entwicklung des Landes voranzubringen. Wird die "bonne gouvernance" (siehe Pressesp. N°12) Verbesserung bringen, oder sind neue Gesetz gegen Korruption notwendig ? - - In einem aktuellen Bericht aus Koudougou geht es nicht um Korruption, aber...: die Textil-Fabrik Faso Fani mit 600 Arbeitsplätzen (!) ist in Gefahr, weil ausstehende Forderungen über mehrere Mrd. FCFA nicht eingebracht werden können. Warum ? Selbst qualifizierte Experten können nur gute Ratschläge geben.
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Der neue Kultur-Tempel in Ouagadougou

Der Premierminister eröffnete im Januar 2000 das "Staatliche Zentrum der Künste, des Schauspiels und der Ton -und Bild-Darstellungen". Regierung, diplomatisches Corps und Persönlichkeiten des Kulturlebens waren anwesend. B.F. hat eine reiche und sehr lebendige Kultur. Sie ist aber auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, und um auch im Ausland mithalten zu können, muss sich der Staat engagieren.

Hier eine aktuelle Meldung : In Kooperation mit Belgien fand dort 1999, im französisch-sprachigen Teil, während 45 Tagen eine Tournee burkinischer Kunst und Kultur (moderne und traditionelle Musik, darstellende Kunst, Theater, Filme) statt.

In dem "Kultur-Tempel" genannten Gebäude gibt es, neben Verwaltungs-Büros, Aufnahme-Studios aller Art, mit der entspr. Technik ausgestattet, und einen Mehrzweck-Saal mit 625 Sitzplätzen. Theater-Truppen können hier auftreten, Film-und Fernseh-Aufnahmen sowie Seminare, Konferenzen und workshops sind möglich. Auch das B.F. Ballett, das nationale Orchester und das Instrumental-Ensemble werden hier ihre Heimstatt haben.
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Agro-business - was ist das ?

Agro-business oder Agro-Industrien, wie man sie nennt, breiten sich immer mehr aus. Große, regelmäßig maschinell bewässerte Flächen sichern hohe Ernte-Erträge. Aber ihre Technik muss fachmännisch betreut werden. Und die Teilhaber müssen betriebswirtschaftlich kalkulieren, weil die Investitionen amortisiert und die lfd. Betriebskosten gedeckt werden müssen. Ist das das Ende des traditionellen Ackerbaus ? fragt man. Die Sahel-Bauern sind misstrauisch. Sie wollen garnicht landw. "Unternehmer" sein und befürchten, letztlich nur noch Arbeiter in landwirtsch. Groß-Unternehmen zu werden. Zudem sind die bisherigen Erfahrungen nicht ermutigend, weil zu oft die für den techn. Betrieb und für die Verwaltung notwendige Sachkenntnis fehlt.
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Vom Weber zum Millionär

Nachstehendes ist aus JEUNE AFRIQUE von Ende 1998. Oumarou Kanazoé (oft genannt "OK"), einer der reichsten Unternehmer in B.F., ist selfmademan. Aus einer armen Familie, mit 12 Jahren Waise, begann er mit Weben und Färben von Baumwollstreifen. Zum Verkauf transportierte er sie zunächst zu Fuß, dann auf einem Esel, danach auf einem Fahrrad zu den Märkten. Dann eröffnete er eine Gastwirtschaft, und 1955, mit 28 Jahren, begann er ein Transportgeschäft für Kies, Sand und Steine. Aus einem Lastwagen wurden bald 15, dann kamen Busse hinzu. 1973 gründete er ein Baugeschäft. Die Technik lernte er von ausländischen Fachleuten. Dies setzte er fort, indem er burkinische Mitarbeiter von Ausländern anlernen/ausbilden ließ, systematisch und so lange, bis er die Ausländer nicht mehr brauchte. Jetzt baut er Staudämme, Straßen, Bewässerungsanlagen in B.F., Niger, Mali und Benin, schenkte seiner Heimatstadt einen von seiner Firma gebauten Stausee, beschäftigt 1000 Leute (davon noch fünf Ausländer) und ist seit 1995 président der Industrie-, Handels- und Handwerkskammer.
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Kleinere Neuigkeiten des Tages.

  • AIDS. Die Welt-Gesundheits-Organisation der UN meldet, dass von 25 der am meisten von der Seuche betroffenen Länder der Welt 24 afrikanische Länder sind. Und in den SubSahara-Ländern, mit weniger als 10 % der Weltbevölkerung, zählt man 83 % der Todesfälle. 23 Millionen Afrikaner leben mit dem Virus.
  • Japan spendet für Baumschulen. Für Baumschulen, dieses so wichtige Instrument für den Kampf gegen das Vordringen der Wüste (siehe 8000 Dörfer - 8000 Wälder) hat Japan im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit 3 Mrd. FCFA gespendet.
  • 30. Jahrestag der Francophonie . Diese französische staatliche Einrichtung, die sich weltweit in allen französisch-sprachigen Ländern um Pflege und Verbreitung der frzs. Sprache und Kultur bemüht, hat auch in B.F. eine Vereinigung, die zum Jahrestag ein Kulturfest mit vielen künstlerischen Wettbewerben veranstaltet.
  • Meningitis-Impfungen . Eine Schweizer Hilfs-Organisation veranstaltet Impfungen gegen die Meningitis, die immer noch jedes Jahr hunderte von Opfern im Lande fordert.
  • FESPACO. (ausführl. Beschreibung in Pressesp. N° 5) Anfang März 1999 fanden wieder, wie alle zwei Jahre, die "Panafrikanischen Filmfestspiele in Ouagadougou" statt. Untertitel : "Kino und Film-Vertrieb in Afrika". 85 Länder nahmen teil. Ab 2001 sollen die Festspiele jährlich stattfinden.
  • EXPO 2000. An der Ausstellung in Hannover wird sich auch B.F. beteiligen. Ein nationales Organisations-Kommitee befasst sich mit den Vorbereitungen.
  • PAPME. (= Unterstützungs-Projekt für kleine und mittlere Unternehmen, s. Pressesp. N° 10). Die E.U. stellt ihre Beteiligung ein ! Aber man will weitermachen, weil hunderte von Unternehmen erfolgreich entstanden sind und man auch weiterhin den Rückfluss aus über 2 Mrd. FCFA erteilten Krediten erwarten kann.
  • Staatshaushalt Stuttgart und B.F.. Lt. Stuttgarter Zeitung ist der Haushalt der Stadt Stuttgart im Jahr 2000, Einnahmen und Ausgaben, mit 5.14 Mrd DM geplant. Zum Vergleich: Lt. Munzinger-Archiv ist der Staatshaushalt von B.F. 1999 = 2.69 Mrd DM.
  • Armee und Polizei - unbedeutend. Lt. Munzinger-Archiv hat B.F. in Armee und Polizei zusammen ca. 10.000 Mann - bei einer Bevölkerung von immerhin ca. 11 Mio.
  • Auslands-Investitionen. 644 Mrd $ wurden lt. UN 1998 weltweit über die Ländergrenzen investiert. Ganze 8.3 Mrd (= 1,3 %) davon flossen nach Afrika, der Löwenanteil nach Süd-Afrika, weitere nach Ägypten, Nigeria, Tunesien, Algerien, Zimbabwe und Angola. Wieviel ausl. Unternehmen in B.F. investiert haben, ist nicht angegeben.
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Hinweis : Persönliche Anmerkungen, aber auch Worte, Begriffe, Namen in frzs., mooré oder englisch, bzw. deren Übersetzungen, sind schräg gedruckt.
FCFA sind nicht immer in DM umgerechnet. 1000 FCFA sind ggw. ca 3.- DM.
Die Übersetzungen sind z.T. verkürzt, z.T. aus mehreren Artikeln zusammengefaßt.
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Herausgeber:
HAUS DER BEGEGNUNG
Berliner Straße 39
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Redakteur:
Dipl.-Volkswirt Dieter Böckmann
Kirchengemeinderat
Rohrerstr. 25, 71144 Steinenbronn
Tel. 07157-3081
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