|
Burkina Faso - Pressespiegel
|
" Was sich
so tut im Lande..."
Juni bis Dezember
2002 - im Januar 2003
Informationen aus aktuellen
Zeitungen und Zeitschriften aus Burkina Faso,
gelesen und bearbeitet von
DIETER BÖCKMANN, Steinenbronn,
Mitglied der Projektgruppe
Partnerschaft mit B.F.
Langj. Kirchengemeinderat
in Steinenbronn
|
Vorwort
Tja, über ein Jahr
lang gab es keinen Pressepiegel. Erst die Gruppe, die im Dezember zur Verabschiedung
von Samuel Yameogo in Burkina Faso war, hat wieder einen Stapel Zeitungen
mitgebracht. Allerdings hätte ich von Oktober bis Dezember 2002 nichts
tun können, weil ich an drei (!) Bandscheiben operiert wurde. Auch
jetzt soll ich nicht zu lange am PC sitzen. Einiges hat sich inzwischen
in unserem B.F. ereignet. - - Ich weise nochmals darauf hin, dass Anmerkungen
des Übersetzers in Klammern (...) und kursiv gedruckt sind). - - Die
Umrechnungen von FCFA in Euro sind hilfreich zum Verständnis – das
meinen Sie hoffentlich auch. - - Bitte heben Sie die Hefte auf. Ich verweise
oft auf frühere Ausgaben mit dem Kürzel (s .Pr.-Sp. N° XX).
- - Die aktuellen B.F.-Zeitungen verwahre ich jeweils ein paar Wochen.
Wer also einmal selbst darin lesen möchte . . .
Themen:
 |
Parlaments-Wahlen am 5. Mai 2002 |
 |
Die Weltmarkt-Preise für Baumwolle
sinken |
 |
Staatshaushalt 2003 |
 |
Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) |
 |
Agrar-Politik |
 |
Kinderarbeit |
 |
Studenten-Organisationen |
 |
Kleinere Neuigkeiten
des Tages |
 |
Weitere Ausgaben
des Pressespiegels |
Parlaments-Wahlen am 5. Mai 2002.
Die Wahlen zum Parlament (es
entspricht, wie schon öfter gesagt, unserem Bundestag) verliefen
ohne Probleme. Sieger ist die CDP, die Partei des Präsidenten. Von
den 111 Sitzen des "Bundestages" besetzt sie 57, in die anderen 54 Sitze
teilen sich die 12 Oppositionsparteien. Paramanga Ernest YONLI heißt
der neue Ministerpräsident.
Wieder wurden die Wahlen beaufsichtigt
von der CENI (Unabhängige nationale Wahlkommis- sion, s. Pr..-Sp.
N° 16 und andere) und von ausländischen Beobachtern. Die Presse
nennt das Wirken der CENI "Schule der Demokratie". Unstimmigkeiten in einigen
Wahlbezirken, von der Opposition beklagt, wurden vom Verfassungs-Gerichtshof
geprüft, mit dem Ergebnis, dass das Wahl-Ergebnis bestätigt wurde.
Von den 30 Mitgliedern der
neuen Regierung, drei davon sind Frauen, sind auch einige Politiker der
Opposition. Roch Marc Kaboré, früher Ministerpräsident,
ist Präsident des Parlaments.
In seiner Regierungs-Erklärung
nennt P.E. Yonli folgende Gebiete als vorrangige Aufgaben der neuen Regierung
(die Probleme unseres B.F.) : Kampf gegen Armut und Verbesserung
der landw. Produktions-Bedingungen einschl. Viehzucht / Wasser-Versorgung
/ Umwelt / Nutzung der Mineral-Vorkommen / Wirtschafts-Entwicklung / Energieversorgung
/ Transportwesen einschl. Straßenbau / Gesundheitswesen, insbes.
Kampf gegen Aids / Jugend u. Schulwesen / Sozialer Frieden / Sicherheit
/ Kriminalität / Menschenrechte / Information und Telekommunikation
/ Reformation von Staat, Justiz und Öffentlicher Verwaltung / Korruption
/ die Situation in Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste).
 |
Übersicht |
Die Weltmarkt-Preise für Baumwolle
sinken.
Der Anteil von Baumwolle am
Export von B.F. ist mit ca. 40 % bedeutend (s. Pr.-Sp. N° 12 und
17). Aber am Weltmarkt purzeln die Preise – von 420 FCFA pro kg im
Durchschnitt der letzten vier Jahre auf 287 FCFA in 2001/2002, während
die Produktion steigt, nicht aber die Welt-Nachfrage. Dies erklärt
sich dadurch, dass viele "reiche" Länder ihren Baumwoll-Bauern die
Preise subventionieren. B.F. kann das nicht. Trotz aller Bemühungen
der SOFITEX (staatl. Unternehmen für Aufbereitung und Export der
Baumwolle) werden die Baumwoll-Produzenten von B.F. in 2002/2003 nur
noch 175 FCFA pro kg erhalten. Das bedeutet einen Rückgang der Einnahmen
um ca. 10 Mrd. FCFA, die nicht nur den Baumwoll-Bauern, sondern der ganzen
Wirtschaft fehlen, denn auch Transport-Unternehmen, Banken und Aufbereitungs-Industrie
leiden darunter. Es wird mehr Arbeitslosigkeit und Landflucht geben. Ob
Verhandlungen mit der UEMOA (West-afrikanische Wirtschafts- und Finanz-Union)
und der E.U. helfen können, ist ungewiss.
 |
Übersicht |
Staatshaushalt 2003
(s.Pr.-Sp. N° 11 u.
andere). Dieses Budget ist etwas anders dargestellt als das früherer
Jahre. Ich habe es auch zum besseren Verständnis, in Euro umgerechnet.
| Titel |
Mrd. FCFA |
Mio. Euro |
| Ordentliche Einnahmen |
351,5 |
535,8 |
| Besondere Einnahmen |
202,4 |
308,5 |
| Einnahmen Gesamt |
553,9 |
844,3 |
| Laufende Ausgaben |
278,3 |
424,2 |
| Anlagen-Haushalt |
335,9 |
512,0 |
| Ausgaben Gesamt |
614,2 |
936,2 |
| Defizit |
60,3 |
91,9 |
Weitere Details des Jahres-Staatshaushaltes,
auch darüber, wie das Defizit abgedeckt wird, stehen mir nicht zur
Verfügung.
 |
Übersicht |
Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste)
Wir lesen es auch in der Stuttgarter
Zeitung. Seit Monaten tobt in Côte d'Ivoire ein Krieg "revolutionärer"
Gruppen, Staatspräsidenten werden gestürzt, Frankreich setzt
wider Willen Militär ein, um die Ruhe wiederherzustellen. Côte
d'Ivoire ist Nachbarland von B.F., das trotz seiner vielen Ethnien und
Religionen friedlich ist. Aber Abidjan ist der wichtigste Hafen für
Im- und Export von B.F. und nur eine Eisenbahnlinie geht von Ouagadougou
dorthin. Existenz und Leben von Ausländern sind bedroht Sie fliehen
oder werden vertrieben. Drei Millionen Ausländer - so hoch gehen die
Schätzungen - leben dort, als Selbständige oder als Arbeiter
auf den Kaffee- und Kakao-Plantagen. Wie viel Burkinabé es sind,
weiß niemand genau, denn außer Europäern sind es auch
Bewohner der anderen westafrikanischen Nachbar-Staaten. Einer nennt die
Misshandlung, Verunglimpfung und Vertreibung von Afrikanern einen neuen
Rassismus, den er als Student während seiner Studien in Frankreich
und England erlebt hat. Die Regierung von B.F. will nicht eingreifen. Sie
hat aber ein Budget von 10 Mrd. FCFA bereitgestellt für Auffanglager,
die für Zehntausende eingerichtet wurden; nicht als Flüchtlingslager,
denn die Vertriebenen sollen ja in ihre Heimatdörfer zurückkehren.
 |
Übersicht |
Agrar-Politik
Eine nationale Gesellschaft
SOFROPA (Gesellschaft zur Förderung der landw. Handels- Verbindungen)
wurde geschaffen. Sie arbeitet zusammen mit der schon länger bestehenden
FENOP (Nationaler Verbund der Bauern-Organisationen). Worum geht
es ? Bisher diktierten die Händler die Preise. Und oft genug geschah
es, dass Händler, oft ausländische aus den Nachbarländern,
einem Bauern das, was auf dem Feld noch im Wachsen und Reifen war, abkaufte,
wenn der Bauer kein Geld mehr hatte um seine Familie zu ernähren.
Das heißt, wenn der Bauer die sog. "soudure" nicht schaffte,
mit seinen Mitteln nicht bis zur nächsten Ernte auskam. (soudure,
frzs., heißt eigentlich Zusammenschweißen, zwei Enden Zusammenfügen
– ein Begriff, den man oft in B.F. hört). Wir wissen ja, dass
die Getreidebanken (s. Pr.-Sp. N° 5) diesem Problem auch abhelfen.
Aber es gibt nicht genug davon. Die Preise, die die Händler für
die noch auf dem Feld stehende Ernte bezahlten, waren niedrig, oft erpresserisch,
sodass sich der circulus vitiosus wiederholte. Und das gilt sowohl für
Getreide (Hirse und Mais) wie für Gemüse und Obst. Auch
im Normalfall waren die Bauern den Händlern ausgeliefert. Sie mussten
die gebotenen Preise akzeptieren, weil die Händler sonst die reife
Ernte nicht abkauften. Das ging so weit, dass ganze Märkte fast zerstört
wurden. Zum Beispiel wurden jahrelang 3000 bis 5000 to Grüne Bohnen
jährlich exportiert, im letzten Jahr nur noch 1000 to.
Man spricht von einer Häutung
(der Agrar-Politik), denn bisher hatte sich der Staat da herausgehalten.
Jetzt ist er mit 25 % an der SOFROPA beteiligt. Den Großteil der
Beteiligung bringen Bauern-Genossenschaften. Die SOFROPA zahlt angemessene
Preise, zwar auch nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten, aber sie schaltet
die privaten Händler aus. Und sie beschafft auch Samen, Düngemittel
und Schädlingsbekämpfungsmittel zu angemessenen Preisen. Mit
diesen Aktivitäten tut sie wesentliches, um die landw. Märkte
zu stabilisieren und damit vor allem den Kleinbauern zu helfen, aus der
permanenten Armut herauszukommen.
 |
Übersicht |
Kinderarbeit
Das Parlament hat vor zwei
Jahren die Konvention 182 der OIT (Internationale Arbeits-Organisation)
ratifiziert, mit der Kinderarbeit verboten wird. Aber – wie
sieht die Realität in B.F. aus ? Traditionell trägt dort das
Kind zum Leben der Familie bei, zu Hause, auf dem Feld, beim Vieh-Hüten,
um Schmarotzer-Vögel zu vertreiben, in der Werkstatt oder auch in
den Goldgruben. Vor allem auf dem Lande, wo es ja auch oft nicht genügend
Schulen gibt, leisten Kinder schon im frühen Alter Arbeit. Auch in
den Städten werden sie missbraucht, für (zu) gering entlohnte
Hausarbeiten vom frühen Morgen bis spät am Abend - oft sind sie
fast Sklaven - , oder von ambulanten Händlern für Hilfsarbeiten.
Ja, die Konvention 182 ist eine Sache, sie zu realisieren, eine andere.
 |
Übersicht |
Studenten-Organisationen
An der Universität Ouagadougou
gab es bisher drei Studenten-Organisation (sie haben alle ungefähr
dieselben Namen, deshalb übersetze ich die nicht), die gegen zu
hohe Einschreib- Gebühren, mangelnde Ausstattung der Hörsäle
und Bibliotheken und andere Mängel protestieren, aber untereinander
nicht einig sind, ja sogar sich bekämpfen. Dazu hat sich jetzt eine
vierte gebildet (MEFA = Bewegung der Studenten von B.F.) und sich
der Presse vorgestellt. Sie erklärt als ihr Ziel, alle Organisationen
zusammen zu fassen, denn nur einig könne man die gemeinsamen Ziele
erreichen.
 |
Übersicht |
Kleinere Neuigkeiten des Tages.
Frankreich gibt 300 Mio
FCFA für Krankenhäuser. Diese Unterstützung (ca. 460.000
€) wurde, vertraglich definiert, für spezifische Verbesserungen
von Einrichtungen in verschiedenen Krankenhäusern des Landes übergeben.
Der Gesundheitsminister von B.F. wird die Einhaltung dieser Verträge
überwachen.
Die Stadt hilft notleidenden
Kindern zur Schule. Simon Compaoré, Bürgermeister von Ouagadougou,
hilft für das Schuljahr 2002/03 mit einem Budget von 9,7 Mio FCFA,
damit 3.147 Kinder, die Waisen sind oder deren Eltern invalide sind, die
"Ausrüstung" erhalten, die notwendig ist, um überhaupt am Schulunterricht
teilnehmen zu können.
Jede Schule ein Wäldchen
so
hieß u.a. im Nationalen Programm für Aufforstung (s. Pr.-Sp.
N° 4 u. andere). In Gueswendé im Dép. Tanghien
wurden 60 Schulen ausgezeichnet. Sie erhielten Wasser-Karren, Eimer, Hacken
und andere Geräte im Wert von 6 Mio FCFA (ca. 9.000 €) zur Pflege
ihrer Wäldchen. Dies ist nur ein Beispiel. Solche Belobigungen und
Unterstützungen finden im ganzen Lande statt.
Die Niederlande helfen im
Kampf gegen die Armut. Von 2002 (Start Juni) bis 2004 gibt Holland
eine Hilfe von 20,9 Mrd. FCFA (31,8 Mio €) als Hilfe für das
Programm "Abbau der Armut und Wachstum". Die Beträge werden halbjährlich
an das Finanzministerium von B.F ausbezahlt, jeweils nach Evaluation durch
den FMI (Weltwährungsfonds) und durch CSLP (die Übersetzung
dieses Kürzels habe ich momentan leider nicht).
Handys breiten sich aus.(s.
Pr.-Sp. N°22) CELTEL, eines der Mobilfunk-Unternehmen, hat jetzt
die Region Ouahigouya angeschlossen. Auch SMS ist möglich, und der
Kontakt mit anderen, auch ausländischen Netzen.
O.K. zahlt keine Löhne/Gehälter.
(s. Pr.-Sp. N° 18) 465 Beschäftigte warten seit Monaten
auf die Auszahlung rückständiger Löhne und Gehälter
in Höhe von 65 Mio FCFA. Protest-Demonstrationen und Bemühungen
von Gewerkschaften, Gerichten und Anwälten helfen nichts, Oumarou
Kanazoe antwortet nicht aus Diébogou.
Kollektiv "Norbert Zongo".
(s. Pr.-Sp. N° 18 bis 22). Dieses Kollektiv gibt es immer noch.
In vielen öfftl. Veranstaltungen fordert es das Ende einer staatlich
gesteuerten Rechtsprechung und der Straffreiheit für die Schuldigen.
Privatisierung – auch die
Flugplätze. Der Minister-Rat hat beschlossen, auch die Flugplätze
von Ouagadougou und Bobo-Dioulasso zu privatisieren.
 |
Übersicht |
Hinweis : Persönliche
Anmerkungen, aber auch Worte, Begriffe, Namen in frzs., mooré oder
englisch, bzw. deren Übersetzungen, sind schräg
gedruckt.
Zur Umrechnung FCFA in Euro
siehe den Artikel im Pressespiegel N° 21.
Die Übersetzungen sind
z.T. verkürzt, z.T. aus mehreren Artikeln zusammengefasst. |
.
Herausgeber:
HAUS DER BEGEGNUNG
Berliner Straße 39
D-71034 BÖBLINGEN
Tel. 07031-224306 Fax 221993
|
Redakteur:
Dipl.-Volkswirt Dieter Böckmann
Langj. Kirchengemeinderat
Rohrerstr. 25, 71144 Steinenbronn
Tel. 07157-3081
|
. |