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Burkina Faso - Pressespiegel
" Was  sich  so  tut  im  Lande..." Informationen aus aktuellen Zeitungen und Zeitschriften aus Burkina Faso., gelesen  und  bearbeitet  von  DIETER  BÖCKMANN,  Steinenbronn, Mitglied der Projektgruppe Partnerschaft mit B.F.

Januar bis April 2008  -  im Mai 2008

Bitte beachten Sie das Impressum und Hinweise am Ende der Seite.

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Die "Explosion" der Preise
Jahrtesbericht 2007 des Premier-Ministers
Jatropha - eine Pflanze für Bio-Öl 
Das neue Herz-Krankenhaus 
Weitere Meldungen


Die “Explosion“ der Preise
Schon Ende des vergangenen Jahres sind die Preise für die Dinge des täglichen lebensnotwendigen Bedarfs, vor allem für Lebensmittel, angestiegen. Jetzt, Anfang 2008, sind sie explodiert, und das ist zu einer Katastrophe geworden. Die Preise für Reis, Mais, Salz, Zucker, Speise-Öl, Milchpulver, Weizenmehl, Seife, Fleisch und andere Lebensmittel, aber auch für Diesel-Öl und Benzin sind um 2-stellige %-Zahlen, von 10 bis zu 60 %, angestiegen  Hierzu erklären die Chefs von FAO (UN-Org. für Ernährung u. Landwirtschaft) und FMI (frzs. für Welt-Währungs-Fonds), die sich beide mehrere Tage im Lande aufgehalten haben, dass man mehrere Ursachen für diese Entwicklung aufzählen kann : Wetter-Katastrophen (Ausbleiben des Regens, Überschwemmungen) und andere Naturkatastrophen in Australien, Indien, Bangladesh, Mittel-Amerika, und weiteren Ländern, zugleich aber auch höhere Lebensmittel-Nachfrage in China und Indien. Und Reis aus Indien kann nicht mehr eingeführt werden, weil er zu teuer geworden ist. Dies alles habe den Weltmarkt erschüttert, sodass weltweit die Nahrungsmittel-Preise stiegen. Deshalb könne der FMI auch keine Empfehlungen für ein einzelnes Land geben. Er weist aber auch darauf hin, dass der Anteil am Familien-Haushalt für diese Waren in “entwickelten“ Ländern wie Europa, zwischen 10 und 20 % liege, in den ärmeren Ländern aber zwischen 50 und 60 % ! Wenn auch wieder Länder wie Japan und Taiwan mit größeren Lebensmittel-Spenden geholfen haben ( s. mehrere Pr.-Sp. ), so hat dies an der katastrophalen Situation nicht viel geändert.

Die Zeitungen sind voll von Berichten. Von den Oppositions-Parteien, vielen Organisationen, Verbraucher-Verbänden, Gewerkschaften und auch Experten kann man da die unterschiedlichsten Äußerungen lesen. Vor allem aber, nach dem Vorwurf, dass sie nichts unternehme, werden der Regierung viele Ratschläge erteilt.

Anfang Februar hat sie reagiert : für drei Monate werden keine Einfuhr-Zölle erhoben. Und im Lande selbst entfällt die Mehrwert-Steuer. Damit, so verkündet die Regierung, “könnten nun die Preis-Schilder geändert werden“, und sie werde dies genau kontrollieren. Wenn man aber erwartete, dass nun alles wieder billiger wird, so stand dem ein neues Problem entgegen. Der Handel  -  Einzelhändler, Großmärkte usw.  -  erklärte, dass er zunächst die Waren, die er noch zu den “alten“ Bedingungen eingekauft und am Lager habe, nicht sofort zu den “neuen“ Preisen verkaufen könne. Die Verluste wären erheblich, ja Existenzbedrohend.

Dies führte schließlich Ende Februar zu öffentlichen Unruhen. In den großen Städten wurden bei Massen-Demonstrationen Verwüstungen angerichtet, Autos und öffentliche Einrichtungen beschädigt, Fenster eingeschlagen, Feuer angelegt. Allerdings wurden die Ausschreitungen allgemein verurteilt, und die Schuldigen vor Gericht gestellt. Dann, Anfang April, riefen die Gewerkschaften zum landesweiten General-Streik auf, der ohne neue allgemeine Unruhen verlief. Das Personal der Krankenhäuser nahm, in Abstimmung mit den Gewerkschaften, an dem Streik nicht teil.

Jetzt reagierte die Regierung wieder. Die Frist von drei Monaten für die Aufhebung der Einfuhr-Zölle und der Mehrwert-Steuer wurde von drei auf sechs Monate verlängert.
Übrigens wurde die Frage, wie die Ausfälle von Milliarden F-CFA an Einnahmen im Staats-Haushalt verkraftet werden, noch nicht beantwortet. 
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Jahresbericht 2007 des Premier-Ministers
Ende März erstattete Ministerpräsident Tertius Zongo vor dem Parlament den Bericht zur Lage der Nation Ende 2007. Hieraus seien einige Abschnitte zitiert.

Die Außenhandels-Bilanz zeigt ein Defizit von 294 Mrd. F-CFA ~ 448 Mio. Euro. Die Erhöhung zum Vorjahr kommt vor allem von dem Anstieg der Preise von Öl-Produkten, und dem Rückgang der Baumwoll-Exporte um 36 Mrd. F-CFA ~ 55 Mio. Euro.

Das Staatshaushalts-Defizit ist um 44,7 Mrd. F-CFA ~68 Mio. Euro höher als im Vorjahr.

Wasser-Versorgung : 1.500 neue Brunnen wurden gebaut, 344 wieder hergestellt. Für weitere 7.893 Hektar Ackerbaufläche wurde die Bewässerung eingerichtet.

Der Einschulungs-Prozentsatz = Anteil an der Zahl der Kinder im schulpflichtigen Alter, die auch eingeschult werden konnten  ( s. Pr.-Sp. N° 2 und 8 ), wurde um 6 Punkte auf  66,5 % erhöht.
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Jatropha – eine Pflanze für Bio-Öl 
In der Region Koulwéogo wurde, angeregt vom Provinz-Chef und mit Teilnahme des Landwirtschafts-Ministeriums, eine ganz neue landw. Aktivität gestartet. Die Jatropha ist ein Busch, dessen Früchte Öl enthalten, das zur Herstellung von Bio-Diesel geeignet ist. An der Einführung dieser “erneuerbaren Energiequelle“ ist die Firma “DBD“ = Deutsche Bio-Diesel, interessiert und beteiligt. Die Büsche, die in Hecken angepflanzt werden, “tragen“ nach 18 Monaten zum ersten mal, nach einigen Jahren “voll“, dann 30 Jahre lang. Alle Vorteile werden aufgezählt : das Produkt hilft beim “Kampf gegen die Armut“ (s.Pr.-Sp.N° 35 ), und neue, zum Ackerbau geeignete aber bisher ungenutzte, Flächen werden erschlossen. Die Jatropha verträgt das Klima von B.F. gut und es gibt keine Schädlings-Insekten, die ihr etwas anhaben können. Sie gedeiht auch in Gebieten, wo wenig Regen fällt, und hilft dadurch gegen die Erosion und das Vordringen der Wüste. Damit ist auch das während der Diskussion um die Preis-Explosion gebrachte Argument widerlegt, “wir sollten Getreide anpflanzen, das Nahrungsmittel hervorbringt, nicht Bio-Öl !“. Handwerker sollen geschult werden zu Bau und Benutzung von Pressen, per Hand oder motorisiert betrieben. Dann würden nicht die Körner, sondern das ausgepresste Öl ausgeliefert werden. Zunächst soll noch in 2008 eine Pflanzen-Schule eingerichtet werden, in der die Stecklinge erzeugt werden, die dann zu den o.a. Büschen werden.
Die Jatropha-Aktivität beschränkt sich z.Zt. auf eine Region. Aber sie kann auf andere Gebiete, in denen es oft zu wenig regnet, ausgedehnt werden. Und, so hoffen die Begründer, irgendwann wird es auch eine Fabrik für Bio-Diesel im Lande geben
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Das neue Herz-Krankenhaus 
Zwei als qualifiziert anerkannte Herz-Ärzte, beide Professoren, haben mit staatlicher Unterstützung diese Klinik, die bisher im Lande fehlte, eingerichtet. An der Eröffnung in Ouagadougou im Januar nahmen auch der Gesundheits-Minister und der Bürgermeister teil. Sie hat 18 Betten, und außer den Chefs werden 5 speziell qualifizierte Ärzte und 18 Krankenschwestern und Helfer beschäftigt sein. Sie kostet bisher 450 Mio. F-CFA ~ 0,7 Mio. Euro, und weil noch viele moderne Einrichtungen und Geräte anzuschaffen sind, werden es, so schätzt man, eine Mrd. F-CFA ~ 1,5 Mio. Euro sein, wesentlich mehr, als “normale“ Krankenhäuser kosten. Dazu gehören auch Ambulanzen mit entspr. Einrichtungen. Auch Operationen am offenen Herzen werden möglich sein. Herzkranke müssen nicht mehr nach Frankreich geflogen werden (s. Pr.-Sp. N° 26). Es wird Wert darauf gelegt, dass jede(r) Kranke, egal wie  -  und ob  -  er/sie krankenversichert ist, aufgenommen werden kann. Darauf hat besonders der Gesundheits-Minister hingewiesen.
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Weitere Meldungen
Rood Woko. ( s.div.Pr.Sp. ) Die Baufirma hat bekannt gegeben, dass die Bauarbeiten nicht erst in 2009, sondern schon in diesem Jahr abgeschlossen sein werden. Erfreulich, aber weniger erfreulich ist, dass von “schwarzen Schafen“ unter den Händlern berichtet wird, die jetzt schon, auch mit Bestechungen, dabei sind, sich die besten Plätze für ihre Verkaufsstände in dem neuen Gebäude zu sichern.

UNESCO hilft Schulkindern. Mehrere Hundert Schüler, die bei den Überschwemmungen in der letzten Regenzeit ( s.Pr.-Sp. N°37 ) alles verloren haben, erhalten Dank einer Geldhilfe neue “kits“, d.h. Schulmappen, Bücher, Schreibgeräte usw.

Ausgrabungen. Auch B.F. hat eine Geschichte. Funde in der Provinz Oudalan, aus der Zeit vor und nach Christi Geburt, zeigen, wie Bauern, Jäger (und Krieger) vor über 2000 Jahren gelebt haben. Archäologen aus Amerika, Frankreich und Deutschland sowie aus den afrikanischen Nachbarländern waren zu einem Treffen gekommen, in dem dies gewürdigt, die ausgestellten Fundstücke betrachtet und zu weiteren Ausgrabungen angeregt wurde. Deutschland war durch den Botschafter in B.F. und einen Wissenschaftler von der Universität Frankfurt vertreten, der auch weitere Zusammenarbeit anbot.

Stauseen und Dämme erneuern. Die FAO empfiehlt dringend, den “bewässerten Ackerbau“ (s. mehrere Pr.-Sp ) systematisch zu erweitern, das heißt neue Stauteiche und Bewässerungssysteme anzulegen. Jetzt aber ergibt sich immer häufiger, dass die in den letzten Jahrzehnten gebauten Dämme, nach jahrelanger Funktion, repariert und z.T. neu gebaut werden müssen, weil sonst das Regenwasser ungenutzt davon läuft. Bei jedem ergeben sich Kosten von Hunderten von Mio. F-CFA, die nicht immer von der BAD (s.Pr.-Sp.N°35) finanziert werden, sondern auch von Staat und Regionen aufgebracht werden müssen.

Kartoffeln. ( s. Pr.-Sp. N° 34 ) 2.000 to Ernte werden für die Saison erwartet. Ein Treffen der Beteiligten, nämlich der Erzeuger und der Händler, fand unter dem Vorsitz des Landwirtschafts-Ministers statt. Der erklärte, dass diese Bereicherung des landw. Angebots sowohl als Erfolg im “Kampf gegen die Armut“ wie auch als Beitrag zur Sicherung der Ernährung anzusehen ist. Aber die Techniken der Lagerung müssen noch verbessert und bekannt gemacht werden, und die Vertriebswege (Lebensmittelhandel) müssen noch ausgebaut und gesichert werden

Neue Personalausweise. Alle Einwohner von B.F. werden einen neuen Personalausweis erhalten. Es ist eine Plastikkarte mit Foto, die per Computer beschriftet wird. Der Chef des “Staatl. Ausweis-Amtes“ erklärt, wie es die persönlichen Identifizierungs-Daten jedes Einwohners des Landes erfasst und wie ihnen die neuen Ausweise übergeben werden. In den Städten ist dies einfacher zu organisieren als auf dem Lande. Der Gesandte von Kanada, das das Projekt seit Jahren begleitet, bot weitere Unterstützung an.

AIDS (frzs. = SIDA) und Waisenkinder (s. div. Pr.-Sp.) ist in Afrika und offenbar besonders in B.F. eine Volksseuche. In fast jeder Zeitung sind Berichte zu lesen über Kongresse und andere Veranstaltungen, sowie Bemühungen des staatl. Gesundheitsdienstes und der WHO (World Health Organisation, frzs. = OMS). Unlängst wurde sogar ein „SIDA-National-Rat“ gebildet - zur Bekämpfung und Vermeidung der Krankheit, zur Aufklärung, über Heilungsmöglichkeiten und Medikamente. Jetzt berichten die Zeitungen auch viel über die zunehmende Zahl von Waisenkindern.
 
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Hinweise :
- Die Umrechnungen von FCFA in Euro (s.Pr.-Sp. N°21) haben das Zeichen ~ (Abrundung). 
- Verweise auf frühere Ausgaben des Pressespiegels mit dem Kürzel (s.Pr.-Sp. N°XX).
- Die Menschen in B.F. nennen sich Burkinabé. Diesen Begriff  verwende ich öfter. 
- Für Ouagadougou verwende ich die übliche Abkürzung Ouaga.
- Persönliche Anmerkungen, aber auch Worte, Begriffe, Namen in frzs., mooré oder englisch,
  bzw. deren Übersetzungen, sind schräg (kursiv)gedruckt.
- Die Übersetzungen sind z.T. verkürzt, z.T. aus mehreren Artikeln zusammengefasst.
- Die aktuellen B.F.-Zeitungen verwahre ich jeweils einige Zeit. Wer also einmal selbst darin
  lesen möchte . . . 
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Herausgeber:
HAUS DER BEGEGNUNG
Berliner Straße 39
D-71034 BÖBLINGEN
Tel. 07031-224306 Fax 221993
Redakteur:
 Dieter Böckmann, Dipl.-Volkswirt
Projektgruppe Partnerschaft mit Burkina Faso
Rohrerstr. 25, 71144 Steinenbronn
Tel. 07157-3081
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