[ voriger  Sonntag ] [ nächster Sonntag ] [ Kein Menü am linken Rand? dann klicken Sie bitte HIER ]

 

Gedanken zum Sonntag
am 18. September 2022 

 

 

 

 

 

 

Pfarrer Michael Sinn


Die Woche nach den Ferien ist eine Zeit der Neustarts oder des Hineinwachsens. Ich denke dabei an die erste Arbeitswoche nach dem Urlaub oder den Schulstart, vielleicht sogar die Einschulung des ersten Kindes oder den Wechsel auf die weiterführende Schule oder Hochschule. Mitten im Jahr wartet eine Schwelle auf uns, über die wir gehen oder gerade gegangen sind. Für die einen eine schöne Schwelle in etwas ganz und gar Neues, für die anderen ein schlichter Neustart des Bisherigen nach einer wohltuenden Unterbrechung. Bei all dem ist es aber immer so, dass man erst mal wieder "Hineinwachsen" muss. Manchmal ist das eine kürzere Phase, manchmal eine längere.

In diesem Jahr müssen wir als Gesellschaft und als Einzelne auch "Hineinwachsen" in eine herausfordernde "neue Zeit". Wenn wir auf den Winter und die Zeit darüber hinaus schauen, dann kommt da einiges auf uns zu. Wir müssen hineinwachsen ein einen neuen Umgang mit Energie und vielen anderen Ressourcen, die uns bisher als selbstverständlich vorhanden erschienen. Hineinwachsen in eine neue Zeit.

Leicht fällt das nicht. Auch der Start in die Schule oder die Arbeit fällt nicht immer leicht. Und doch sind wir das mittlerweile gewöhnt und meistens wartet ja etwas Schönes auf uns. Wie das mit dem Hineinwachsen in die Herausforderungen, die vor uns liegen, wohl werden wird? So richtig freuen tut sich da erstmal keiner drauf.

Mich erinnert das an ein Lied vom Künstler Clueso, das ich gerne mag. Da heißt es: *"Immer wenn ich was neues ausprobier' lauf ich wie Barfuß über Glas. Doch ich fühl' mich federleicht, weil es sich fast immer lohnt. Und so erscheint, dass nichts so bleibt wie es ist, fast schon wie gewohnt"*

Eine Erfahrung, die auch viele Christen gemacht haben. Das Hineinwachsen in Veränderungen ist gewissermaßen eine christliche Tugend, so schräg das auch klingen mag. Wir feiern es jedes Jahr aufs Neue. An Weihnachten, in der Karwoche und an Ostern, an Pfingsten, ja selbst am Totensonntag - überall feiern wir den Neubeginn und die Veränderung. Meistens handeln die Geschichten davon, dass es für die Menschen erstmal beschwerlich war - wie Barfuß über Glas laufen - aber im Rückblick wird klar, sie fühlten sich federleicht, weil es sich immer lohnt. Denn es entsteht immer etwas Neues.

Das einzige, das sich in diesen Geschichten nie verändert, ist Gott und sein Versprechen, bei uns zu sein in allen Veränderungen und in den turbulenten Zeiten. Das gilt auch für das "Hineinwachsen", das vor jedem von uns liegen mag. Diese Hoffnung wünsche ich Ihnen im Blick auf das, was vor Ihnen liegt.

Pfr. Michael Sinn