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Gedanken zum Sonntag
am 25. September 2022 

 

 

 

Macra Joha, Weil der Stadt
Referentin für Schulpastoral
Kirche und Schule im Dekanat Böblingen


In den Sommerferien konnte ich eine Woche in Assisi verbringen. Ausgeschrieben war die Reise als Geistliche Tage für Religionslehrkräfte. Wir haben uns vor Ort mit dem Leben des Heiligen auseinandergesetzt, uns an all die Orte begeben, an denen der Heilige Franziskus gelebt und gewirkt hat und natürlich uns immer wieder darüber ausgetauscht, wie die Erfahrungen von Franziskus sich in unser Leben übertragen lassen. Und dabei ging unser Blick nicht nur in unser privates Umfeld, sondern auch auf unsere Arbeit und unser Leben in und mit der Katholischen Kirche. Viele Gespräche haben uns zur kleinen Kirche St. Damiano geführt. Die Legende erzählt, dass dort vor der Kreuzikone Franziskus betete und Christus vom Kreuz zu ihm sprach: "Geh hin und bau mein Haus auf, das am Einstürzen ist". Die gleiche Szene ist in der Oberkirche der Basilika San Francesco von dem Maler, Giotto di Bondone, in einem Fresko dargestellt. Dort ist abgebildet, wie Papst lnnozenz III. schlafend im Bett liegt. Im Traum sieht er wie ein Armer - Franz von Assisi - die vom Einsturz bedrohte Lateranbasilika mit der Schulter stützt und vor dem Zusammenbruch bewahrt.

Vielleicht fragen Sie sich, warum mich gerade diese zwei Szenen so beschäftigen. Für mich sind diese Bilder so deutlich in unsere augenblickliche Zeit zu übertragen. Die Kirche gleicht immer mehr einer großen Baustelle, es wackelt und knirscht an vielen Stellen. Zum Glück gibt es auch in unserer Zeit Menschen, die sich ansprechen lassen von dieser Not und mitwirken am Wiederaufbau einer Iebens- und liebenswerten Kirche. An diesem Samstag treffen sich in Rottenburg über 300 Frauen und Männer aus ca. 200 Kirchengemeinden und Seelsorgeeinheiten zum "Konzil von unten". Das Konzil versteht sich als eine Ergänzung zum Synodalen Weg und hat sieben Kernthesen entwickelt, die mit den Abgesandten der Gemeinden besprochen werden sollen: Herbeiführung von Reformen, Überwindung von Sprachbarrieren, Stärkung der Ortsgemeinden, Gleichstellung der Geschlechter, vielfältige Zugänge zum kirchlichen Amt, lebbare moralische Orientierungen und eine ökumenische Zukunft sind die Schwerpunktthemen der Veranstaltung. Und genau hier sehe ich nochmal die Verbindung zu den Bildern und Erfahrungen von Assisi. Giotto malt Franziskus in der Kirche stehend, auf dem Boden der Kirche. Nicht von außen gibt er Ratschläge und kritisiert. Er bleibt in der Kirche und wirkt dort.

Mein herzlicher Dank gilt heute den Frauen und Männern der Basis, die sich in Rottenburg für die Zukunft unserer Kirche einsetzen.

Mehr Informationen zum Konzil von unten finden Sie hier
https://www.konzil-von-unten.de/

Macra Joha, Weil der Stadt
Referentin für Schulpastoral I Kirche und Schule im Dekanat Böblingen